Kathedrale Saint-Gatien

Die Kathedrale Saint-Gatien ist an allen Wochentagen von 8.30 Uhr bis 20 Uhr geöffnet.
In der Zeit von Ostern bis zum 11. November begegnen Sie in der Kathedrale ehrenamtlichen Mitarbeitern des Vereins Présence Cathédrale, die Sie an ihrem Namensschild erkennen. Sie helfen Ihnen gerne bei Ihrem Besuch und beantworten Ihre Fragen. Für eine Führung sowie für Gruppenbesuche, die das ganze Jahr über nach Voranmeldung stattfinden können, wenden Sie sich bitte an die Nummer 07 66 39 84 11. Weitere Informationen auf ihrer Website (auf Französisch): https://visite-cathedrale-tours.fr/
Sie können auch den Kreuzgang La Psalette besichtigen, der über die Kathedrale zugänglich ist.
Einzelheiten zu den Besichtigungen Videopräsentation

Auf den Überresten der gallorömischen Stadt Caesarodunum errichtet, erhebt sich die Kathedrale Saint-Gatien im Herzen der Stadt, die eines der berühmtesten Pilgerzentren des Abendlandes war und bis heute eine der Hauptstädte der Loire-Region ist.

Die Kathedrale Saint-Gatien und ihre beiden Türme über den Dächern von Tours

Als Zeugin einer glanzvollen Vergangenheit und einer langen Geschichte erweist sich die Kathedrale von Tours als herausragender Ort für Kunst- und Geschichtsliebhaber ebenso wie für Gottsucher.

Sie strahlt aus in eine Region, die berühmt wurde durch den heiligen Gatianus, den ersten Bischof von Tours, den heiligen Lidoire, den Gründer der ersten Kathedrale, den heiligen Martin, den Apostel der Touraine und Galliens, und den heiligen Gregor, den Erbauer der fränkischen Basilika. Blanka von Kastilien und der heilige Ludwig trugen zu ihrem Bau bei. Jeanne d’Arc, Könige von Frankreich und die Scharen der Pilger auf dem Weg nach Santiago de Compostela machten hier Station.

Die Kathedrale von Tours genoss sehr früh den Schutz der Könige: Seit Ludwig VII. sind die Könige von Frankreich Ehrendomherren. Der heilige Franz von Paola (Beichtvater Ludwigs XI.), Maria von der Menschwerdung (Mutter der katholischen Kirche Kanadas) und Léon Papin-Dupont, der „heilige Mann von Tours“, kamen hierher, um zu beten. Die heutige Kathedrale, die auf eine lange Geschichte zurückblickt, ist die Nachfolgerin dreier anderer Kirchen; ihr Bau erstreckte sich vom 13. bis zum 16. Jahrhundert.

  • Eine erste, von Bischof Lidoire erbaute Kirche, in der der heilige Martin zum Bischof geweiht wurde und das „Wunder der Feuerkugel“ geschah.
  • Eine fränkische Kirche, die 400 Jahre bestand, dem heiligen Mauritius geweiht und mit prachtvollen Mosaiken zur Ehre des heiligen Martin geschmückt.
  • Eine romanische Kirche, die ein Jahrhundert lang genutzt und durch Krieg und Brände zerstört wurde.
  • Diese vierte Kirche sollte gotisch werden.

Auf die Rayonnant-Gotik mit dem bemerkenswerten, einem Reliquienschrein gleichenden Chorhaupt folgt die Flamboyant-Gotik der Fassade und schließlich der Renaissancestil mit der Bekrönung der Türme im italienischen Geschmack – ein wahres Lehrbuch der Architektur.

Hat der Besucher das Königsportal durchschritten, beeindruckt ihn die Harmonie der Proportionen, aber auch das reiche Licht, das den ganzen Bau durchflutet, Zeichen der göttlichen Gegenwart.

Man kann die schöne Gliederung der Apsis bewundern, deren drei Fensterebenen von großer farblicher Einheit (Glasfenster des 13. Jahrhunderts) ein Ensemble von bemerkenswerter Harmonie bilden – ein seltener Anblick in einer Kathedrale.

Die Glasfenster der Apsis auf drei Fensterebenen

Der Chor mit seinen 800 m² Glasfenstern, das Juwel der Kathedrale, ist eines der schönsten Werke der Rayonnant-Gotik, der Sainte-Chapelle in Paris würdig.

Neben den Glasfenstern des Chors begründen die prachtvollen Rosen des Querhauses und der Westseite sowie die neuen, dem heiligen Martin gewidmeten Glasfenster des 21. Jahrhunderts den Ruhm der Kathedrale von Tours.

Der Hochaltar aus burgundischem Stein, mit Rosetten verziert.

Der Chorumgang öffnet sich zu zahlreichen Kapellen, von denen eine ein Meisterwerk der französischen Frührenaissance birgt: das Grabmal der Kinder Karls VIII. und Annas von Bretagne (1506).

Der kürzlich restaurierte Kreuzgang La Psalette aus dem 15. und 16. Jahrhundert grenzt im Norden an die Kathedrale und erinnert daran, dass sie unter den fünf Kathedralen der Region Centre die einzige ist, die ihre Klausuranlage bewahrt hat.

Der Kreuzgang La Psalette mit seinem Treppentürmchen

Ein Zeichen Gottes im Herzen der Stadt

Der Raum, der Gott offenbart, ergreift Sie schon beim Betreten der Kathedrale, und noch stärker, wenn Sie sich in die Mitte des Querhauses stellen, mit dem Blick nach Osten.

Wer sich von der Vollkommenheit der Linien und der Farbsymphonie der Glasfenster ergreifen lassen will, für den ist die Kathedrale eine Einladung zur Innerlichkeit und, für den Gläubigen, zum Gebet.
Im Lauf der Jahrhunderte hat die Kathedralkirche vom immer größeren Glauben ihrer Erbauer Zeugnis gegeben, und sie ist das symbolträchtige Bauwerk geblieben, das, wie hier in Tours, immer mehr Besucher anzieht; zugleich bleibt sie die lebendige Kirche, in der sich das Volk Gottes nach wie vor versammelt.

Einige Daten

  • Um 338 errichtet der Bischof von Tours, Litorius (heiliger Lidoire), die „ecclesia prima“ innerhalb der Stadtmauer.
  • 371: Der heilige Martin wird sein Nachfolger.
  • 558: Das Castrum wird von einem Brand verwüstet. Die Kathedrale liegt in Trümmern.
  • 590: Bischof Gregor von Tours baut sie wieder auf und weiht sie dem heiligen Mauritius.
  • Um 1160 entsteht eine dritte Kathedrale im angevinischen Stil, deren Fassade auf der gallorömischen Mauer errichtet wird. Sie wurde wohl nie vollendet.
  • 1167: Der Bau erleidet bei einem Brand, der die Stadt verwüstet, schwere Schäden.
  • 1220–1270: Nach mehreren Bränden wird die Kathedrale wiederaufgebaut; Chorhaupt und Chor entstehen in zwei Etappen, zunächst nach dem Vorbild der französischen Gotik für die unteren Teile, dann im Rayonnant-Stil für die oberen Teile.
  • Ende des 13. Jahrhunderts baut der Architekt Étienne de Mortagne das Querhaus im selben Stil neu.
  • Im 14. Jahrhundert schreitet die Baustelle mit den ersten beiden Jochen und den unteren Teilen nach Westen fort, weiterhin im Rayonnant-Stil, während sich der heilige Gatianus (Name des ersten Bischofs, der Lidoire vorausgegangen war) nach und nach als neuer Patron der Kathedrale durchsetzt.
  • Um 1470, nach einer Verlangsamung durch den Hundertjährigen Krieg, vollendet Jean de Dampmartin das Langhaus, in den oberen Teilen im Flamboyant-Stil; die Fassade im selben Stil wird von Jean Papin und Jean Durant fertiggestellt.
  • 1484: Die Portale werden fertiggestellt.
  • Um 1507: Vollendung des Nordturms mit seiner Renaissance-Bekrönung.
  • 1534–1547: Vollendung des Südturms im selben Stil wie der Nordturm.
  • 1787: Der Lettner wird entfernt.
  • 1793: Die Statuen der Portale werden von den Revolutionären zerstört.
  • 1848: Restaurierung des Mittelportals.
  • 1993: Die Statuen am Dachansatz werden vom Architekten Arnaud de Saint-Jouan aus Tours erneuert. Beginn der Restaurierung von Chor und Chorhaupt.
  • 1996: Einweihung der restaurierten großen Orgel.
  • 22. Dezember 1996: Der frühere Hauptaltar der Kathedrale wird von Erzbischof Jean Honoré geweiht.
  • Anfang 2003: Abschluss der Restaurierung der Obergadenfenster von Chor und Chorhaupt.
  • 2009–2010: Restaurierung der Westfassade und ihrer Rose.
  • 2010–2013: Restaurierung des nördlichen Querhausarms und seiner Rose. Einbau von zweihundert Quadratmetern Glasfenstern, die dem heiligen Martin gewidmet sind
  • 17. Juni 2018: Weihe des heutigen Altars durch Erzbischof Bernard-Nicolas Aubertin.

Die Kathedrale im Detail